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News > Interview mit Top-Fotograf Oliver Mandic

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Interview mit Top-Fotograf Oliver Mandic
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Interview mit Top-Fotograf Oliver Mandic

Oliver Mandic ist alles andere als grün hinter den Ohren, was die Fotografie betrifft. Seit knapp 15 Jahren ist er in der Werbebranche tätig, über 10 Jahre arbeitet er bereits mit der Kamera und der Bildbearbeitung. Dennoch ist für ihn jeder Arbeitstag ein weiteres Abenteuer. Im Interview klärt er uns über seine Werdegang und seine Arbeitsweise auf.

Du bist noch deutlich länger in der Werbe- als in der Fotografie-Branche tätig. Darf vermutet werden, dass du dich durch die Werbung in die Fotografie verliebt hast?

Mein Weg zur Fotografie war, nunja, nicht sonderlich gradlinig und von Unterbrechungen geprägt. Es ist wahr, dass ich seit knapp 15 Jahren in der Werbebranche tätig bin, was sicherlich meine Herangehensweise an die Fotografie stark beeinflusst hat und sich in dem, was ich mache widerspiegelt. Fakt ist aber, dass ich durch die Werbung über die Systemadministration nach Jahren
wieder zur Fotografie gefunden habe. Anfangs nur aus rein praktischen Gründen, da ich verstärkt als technischer Berater für Fotografen gebucht wurde, nach einer Weile überwog dann doch die Lust am kreativen Schaffen und ich richtete mein Hauptaugenmerk auf die Fotografie.

Gibt es so etwas wie ein einschneidendes Erlebnis, dass dich zur Fotografie gebracht hat?

Wie erwähnt, war‘s ein Zickzack-Kurs. Blut geleckt habe ich wohl so richtig, als ich für ein ganzes Jahr bei einem Kunden im Studio meinen Arbeitsplatz eingerichtet habe, um ein großes Projekt zu verwirklichen, was beinhaltete, dass ich mir einen Überblick über den kompletten workflow verschaffe. Da fand ein gewaltiger Wissensaustausch statt – sie wussten viel mehr über Fotografie, klar, ich hingegen wusste viel mehr über die Technik und vor allem hatte ich deutlich mehr Photoshop-Erfahrung. So haben beide Seiten immens dazugelernt und davon profitiert.

Ein typischer Arbeitstag im Leben von Oliver Mandic; erzähl mal!

Eigentlich gibt‘s keinen typischen Arbeitstag. Jeder Tag ist anders. Das ist die einzige Konstante. Das macht‘s allerdings auch so interessant und lässt einen immer wieder auf‘s Neue mit Spannung in den Tag schauen.

Du hattest bereits die unterschiedlichsten Motive vor der Kamera, von Autos bis Models. Ist das für dich ein und das Selbe oder jeweils eine völlig andere Erfahrung?

Autos sind ein ganz schlimmes Beispiel. Grauenvoll einzuleuchten, weil sie ein großer, unförmiger Spiegel sind – aber dafür halten sie still. Models halten nicht still. Models sind aber nicht nur deswegen spannender, sondern auch, weil sie einen überraschen können, weil sie auf einmal eine Bewegung machen, die vollkommen unerwartet ist und dabei so gut aussehen, dass man permanent auf der Lauer sein muss, um nicht vielleicht etwas Tolles zu verpassen. Models sind außerdem viel spannender, weil man mit ihnen reden kann. Da ich meine shoots gerne entspannt halte, kommt man da auf die tollsten Themen und erfährt ungeheuer viel über die Menschen, die vor einem herumspringen. Das ist gut, da ich erstens ein schrecklich neugieriger Mensch bin und es mich zweitens in die Lage versetzt, noch besser auf das Model einzugehen. Also ganz ‘was Anderes.

In deiner langen Laufbahn als Fotograf; welches Shooting ist dir besonders in Erinnerung geblieben?

Spontan fällt mir da eines der spontansten und dabei ergiebigen shoots ein. Das war vor knapp eineinhalb Jahren, mit Anni (http://www.mysedcard.tv/sedcards/sunshine_anni). Für diesen Abend war ein shoot geplant, das aber abgesagt wurde. Nun hatte ich mich aber im Geiste schon darauf eingestellt und wollte außerdem noch ein paar neue Blitze ausprobieren, also schrieb ich kurzerhand auf einer Plattform einen Job aus, der nur eine halbe Stunde online sein sollte. Dann würde
entschieden, wer es wird. Die Resonanz war, so fand ich, erstaunlich hoch und am Ende pickte ich mir Anni ‘raus. Ca. eine Stunde später war ich dann in Eschborn, eine halbe Stunde später waren outfit und styling ausgewählt und fertig und nochmal ca. zwanzig Minuten hatten wir eine location gefunden. Die dabei entstandenen Fotos gehören immernoch mit zu meinen Liebsten.

Was bedeutet dir als Werbe-Fotograf die Fotografie als Kunstform?

Oha, das is‘ne Fangfrage, oder? Noch dazu, weil ich BWL studiert habe… ;) Wenn mich jemand fragt, ist Fotografie immer in erster Linie ein Handwerk. Wenn man dann sein Handwerkszeug beherrscht, kann man die Kreativität einfließen lassen und dann vielleicht sogar auch die eine oder andere unkonventionelle Sache ausprobieren. Das liegt aber auch mit an meinem Background, denn gerade in der Werbung ist das Arbeiten nach Vorgaben das Wichtigste. Wirkich kreativ tätig sind da nur ganz wenige und die mussten sich das auch immer erst mühsam erarbeiten.

Du hast bereits fotografiert, bevor es brauchbare Bildbearbeitungsprogramme gab, nicht? Wie haben die Programme deine Arbeitsweise verändert?

Die Möglichkeiten, die man heute am Rechner hat, sind gewaltig. Nicht, dass es die nicht in ähnlicher Form früher auch gegeben hätte. Photoshop ist im Endeffekt lediglich eine digitale Umsetzung der Werkzeuge, die einem auch früher in der Dunkelkammer zur Verfügung standen – aber halt schneller, einfacher, ohne Chemikalien und mit undo-Funktion. Die Rechner sind schneller, die Software ausgereifter, Speicherplatzkosten sind fast zu vernachlässigen, das alles macht das Leben leichter, lässt mehr Luft zum Ausbreiten, zum Experimentieren. Das hat meine Arbeitsweise auf jeden Fall extrem verändert.

Kritiker der Bildbearbeitung argumentieren, durch die Programme habe Fotografie das einzige verloren, was sie der Malerei voraus hatte: Nämlich die Wirklichkeit exakt und unverfälscht wider zu geben. Was würdest Du den Kritikern entgegnen?

Das, was ich zu Photoshop schon vorher erwähnt habe. Es ist lediglich die digitale Umsetzung analoger Werkzeuge aus der Dunkelkammer. Und retuschiert wird schon, so lange es die Fotografie gibt. Ich betrachte es eher als ein Optimieren, denn ein Verfälschen. Unser Gehirn macht nichts anderes. Es filtert die Reize, die unsere Sinnesorgane wahrnehmen, verarbeitet sie und, je nach Stimmung, kann ein- und dieselbe Situation gut oder schlecht sein. Eben je nach dem, welches Filterchen da gerade aktiv ist. Vollkommen objektiv sind nur Maschinen.

Unsere Nachwuchsfotografen interessiert bestimmt mit welchem Equipment du arbeitest. Erzähl uns doch mal dazu etwas.

Das ist meistens gar nix so Grandioses. Meistens arbeite ich mit einer Canon 5D, manchmal, speziell wenn‘s dunkel ist, aber auch mit einer Nikon D80. Als backup hab‘ ich noch eine Nikon D50 und eine Canon 20D. Die Auflösung, die die beiden Erstgenannten bieten, ist in den meisten Fällen mehr als ausreichend. Wieso ich noch keine 5DMkII habe, wird sich jetzt sicherlich der eine oder andere
fragen. Weil die „alte“ 5D ein ordentlicheres Rauschverhalten aufweist. Und so lange sie‘s noch tut, wird sie genutzt. Dass ich auf zwei komplett unterschiedlichen Systemen arbeite, hat historische Gründe. Der Objektivpark ist bunt gemischt, da findet sich von allem etwas, auch gerne ‘mal Exoten wie ein
weißrussisches Peleng 8mm fisheye oder ein Loreo 3D Strahlenteiler. Dazu die übliche Palette von Nikon- und Canon, sowie Sigma Objektiven. Für „größere“ Jobs gibt‘s dann auch ‘mal das große Studio, da ist dann aber Mittelformat angesagt. Also Hasselblad mit PhaseOne-digibacks mit 25, 45 oder 60 Megapixeln. Aber wirklich nur ganz, ganz selten. Was Licht angeht, so ist die Palette ebenso breit gefächert. Von vielen Systemblitzen á la strobist über Elinchrom- und Hensel-Kompaktköpfe bis hin zu Namen wie Profoto, Bacht, Briese und Broncolor ist
da alles vertreten und wird, je nach Bedarf, eingesetzt. Eben immer einfach nur das passende Werkzeug für den Job.

Was ist sonst noch wichtig, wenn man sich als Fotograf auf dem Markt durchsetzen will?

Vor allem Durchhaltevermögen. Eine oder zwei andere Einnahmequellen bzw. Betätigungsfelder sind von Vorteil. Mir ist bisher noch keiner untergekommen, der von Anfang an gleich durchgestartet wäre. Und Equipment ist immer erst einmal richtig teuer. Ich persönlich finde Übung absolut wichtig. Nichts ist schlimmer, als Leuten die Zeit zu stehlen, man sollte sein Equipment auch mit den sprichwörtlichen geschlossenen Augen bedienen können und nicht in die Verlegenheit geraten, beim shoot mehr an den Knöpfchen herumzufummeln als auszulösen – denn das macht das Model auch nervös und verkrampft. Irgendwann schrieb ‘mal jemand, er habe mit Kuscheltieren geübt – klingt erst einmal albern, war aber eine geniale Lösung, wie ich finde. Zu guter Letzt sind Spontaneität und Flexibilität von essentieller Bedeutung. Wenn man mit Menschen
arbeitet, läuft selten etwas exakt so, wie man es geplant hat.

Zum Profil von Oliver Mandic



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