News > Shooting und Interview mit Fotograf Daniel Wolfrath
Seine Bilder springen direkt ins Auge und heben sich durch die komplizierte Nachbearbeitung aus der Masse von professionellen Fotos ab. „Das ist Kunst!“, fand die mysedcard.tv-Redaktion und wählte daher den 22-Jährigen Daniel Wolfrath aus Mainz als ersten Fotografen für unsere myspotlight-Rubrik aus und organisierte gemeinsam mit dem talentierten Hobby-Photoartist ein Shooting.
Mit freundlicher Unterstützung vom Kuz in Mainz, das uns die Räumlichkeiten anbot, sowie dem Superfly, das uns die Kleidung zur Verfügung stellte, verbrachten Daniel, die mysedcard.tv-Redaktion und unser ausgewähltes Model Larissa einen Mittag in der Juni-Hitze, um euch heute stolz die Ergebnisse und unser Interview mit Daniel zu präsentieren:
Was hat dich zur Kunst gebracht?
Ich würde es nicht Kunst nennen, sondern einfach Eindrücke, die ich in meinem Kopf weiterspinnen kann. Es gibt eigentlich kein bestimmtes Erlebnis, ich bin auch nicht damit aufgewachsen, es kam einfach von Heute auf Morgen, ich weiß nicht genau woher. Vielleicht durch die Enttäuschung, dass ich nicht alles festhalten konnte, was ich an tollen Motiven gesehen habe, Dinge aus der Natur, Absurdes, einfach Dinge, die nicht alltäglich sind, die mich faszinieren, wenn ich unterwegs bin. Damit ich solche Motive festhalten konnte, habe ich mir dann meine erste Kamera gekauft, woraufhin sich wieder Enttäuschung eingestellt hat, da ich mich an den normalen, unbearbeiteten Bildern sehr schnell satt gesehen habe. Dann hab ich mir die entsprechenden Programme zugelegt und konnte den Fotos dadurch mehr Tiefe, mehr Leben einhauchen.
Hast du dir die Bildbearbeitung selbst beigebracht?
Ja, komplett. Das Endergebnis ist meistens in meinem Kopf, manchmal schon wenn ich das Motiv sehe, manchmal wenn ich erst das Bild sehe, manchmal muss das Bild aber erst noch eine Weile in meinem Rechner reifen, bevor ich bemerke, was ich damit anstellen kann. Dementsprechend hab ich mich dann einfach über die Programme informiert und besorgt, mit den Bildern gespielt, ausprobiert, ein paar Regler hin und her geschoben, um festzustellen wie die Programme ticken und wie ich das Bild in meinem Kopf auf den Bildschirm projizieren kann.
Was war dein erstes Bild, das dich dazu bewogen hat, bei der Fotografie zu bleiben?
Es ist ein Bild von einer Hand, die blutig aussieht, von unten in eine Müslipackung gesteckt. Die Hand wird dadurch ziemlich faltig und da hab ich das erste Mal gesehen, welche Stimmungen Licht und Schatten erzeugen können. Das Bild ist auf meiner flickr-Page unter dem Namen „grab…“. Das war das erste Bild, das die Enttäuschung über die sonstige Leblosigkeit in meinen Bildern gedämpft hat.
Momentan ist die Fotografie noch ein Hobby für dich. Wie willst du dein Hobby in dein späteres Leben einbinden?
Ich strebe ein Studium für Kommunikationsdesign an. Dort kann ich dann meine Fähigkeiten vertiefen und weiterentwickeln, andere Programme und Techniken ausprobieren und dann wird aus dem Hobby-Fotografen und –Bildbearbeiter hoffentlich irgendwann mal ein Profi, der damit ein bisschen Geld verdienen kann.
Wie sieht dein Traumshooting aus?
Unser Shooting im Kuz ging schon in die richtige Richtung. Ich liebe kontrastreiche Bilder wie „Glamour und Trash“, jedoch gibt es immer eine Steigerung, sei es die Auswahl der Models oder die Vielseitigkeit der Location sowie Ausstattung. Mein größtes Vorbild ist der Fotograf Andreas Gursky. Er macht surreale, zum Teil unnatürliche Bilder und dann wieder geordnete und symmetrische Motive und Formen. Er hat da z.B. ein Bild, in dem badende Menschen in einer Art Atomreaktor zu sehen sind; da stimmt einfach alles. Solche krassen Fotomontagen und absurde Gedanken sind auch mein Ziel.
Warum sind deine Bilder so düster?
Schafft mir ne bessere Welt, dann mach ich euch weniger düstere Bilder! Nein, im Ernst, ich mache eben am liebsten Bilder mit einer gewissen Dramatik, die viel mit Licht und Schatten arbeiten, oder eben auch trashige Bilder. Ich finde, die liegen mir einfach am Besten und sie repräsentieren meiner Meinung nach moderne Kunst am stärksten.
Jetzt zu unserem myspotlight-Shooting. Was hast du dir bei den einzelnen Motiven gedacht?
Ich hab mich von der Location, dem Kuz in Mainz, inspirieren lassen. Dort wird es wohl eine Putzfrau geben, die sicherlich auch mal Pause macht. Wieso also nicht den Moment festhalten, in dem die Putzfrau in der Pause überrascht wird, beim Lesen oder beim Rauchen?
Bei dem Bild mit dem Hasen wollte ich Unschuld thematisieren, deswegen haben wir auch Larissa ausgewählt, die mit ihren roten Haaren und ihrer zierlichen Figur so unschuldig aussieht. Der weiße Hase verstärkt das Motiv der Unschuld noch. Die Dunkelheit drum herum bedroht die Unschuld, sie kommt näher, frisst sie vielleicht auf.
Ich hatte Lust, alte Gegenstände ein bisschen in Szene zu setzen, ich mag alte Gegenstände. Deswegen haben wir das Bild mit dem Fernseher gemacht. Als Kontrast dazu haben wir die sehr modernen, hellen Klamotten und die wilden Haare ausgewählt. Wenn Larissa für die Moderne steht und der Fernseher, der Tisch und die Lampe für die Vergangenheit stehen, ergibt sich daraus ein schöner Kontrast.
Zu dem Obdachlosen-Bild wurde ich auch wieder von der Umgebung inspiriert. In der Nähe des Kuz befindet sich eine Caritas-Station, dort sind immer viele Obdachlose zu sehen.
Deine Locations sind dir also genauso wichtig wie deine Models?
Richtig. Mit Programmen kann man zwar viel machen, aber es ist immer besser wenn man die passende Location mit der richtigen Atmosphäre hat und live vor Ort ist. Dann bleibt einem viel Zeit vor dem PC erspart und man kann seine volle Konzentration auf den Ausdruck des Models, auf die Farben und Licht richten, statt noch die Location nachbearbeiten zu müssen.
Was würdest du jemandem raten, der auch mit dem Gedanken spielt, Fotograf zu werden, sich bisher aber noch nicht getraut hat?
Natürlich, dass er es einfach machen soll! Man muss im Leben vieles ausprobieren, um festzustellen, was man kann und was einem wirklich Spaß macht. So war es bei mir und so wird es auch bei vielen anderen Menschen sein.
Vielen Dank für das Interview!









